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Verantwortung durch kommunikative Kompetenz
Wer entscheiden will, muss Verantwortung übernehmen können.
Ingenieure sollten Rede und Antwort stehen können für das,
was sie entwickelt haben. Benötigt werden ethisch gebildete Ingenieure
mit sozialen und kommunikativen Kompetenzen. Diese sind erforderlich, wenn
Technik und Wirtschaft in ihre soziale und natürliche Umwelt auf
problematische Weise einwirken. In Zukunft werden diese Probleme eher noch
größer. Fachleute, die diese Probleme analysieren, lösen und
kommunizieren können, werden daher zunehmend gefragt sein.
16 Studienziele der Ethik
Was sollte ein ethisch gebildeter FH-Absolvent können?
Empfehlungen der Konferenz der Ethikbeauftragten
Die Beantwortung der Frage, was ein ethisch gebildeter FH-Absolvent (alles) können
sollte, welche „Kompetenzen“ ihn (idealerweise) und
mit welcher Priorität auszeichnen, wird kontrovers diskutiert.
Über das Ziel besteht jedoch weitgehend Einigkeit: Die Fähigkeiten
des Absolventen zur verantwortlichen Mitgestaltung von Technik und
Wirtschaft zugunsten einer „nachhaltigen Entwicklung“
im Sinne der Rio-Agenda 21 sollen gesteigert werden. Ethik und Technikfolgenabschätzung
werden dabei als Mittel für dieses Ziel betrachtet.
Bislang lassen sich hierzu 16 Fähigkeiten identifizieren, die man den
Studierenden zusätzlich zu ihrer fachspezifischen Ausbildung
gerne mit auf den Weg gäbe.
Freilich ist allen klar, dass es sich hierbei um ein Ideal handelt, das in
vollem Umfang niemand erreichen kann. Wohl aber vermag es die Richtung
vorzugeben und man kann an ihm das finden, was Ethik zu geben imstande
ist: Orientierung.
Die Maxime lautet dabei: je mehr Fähigkeiten, desto besser!
In alphabetischer Reihenfolge sind dies bislang:
Argumentieren
Die Studierenden sollten die Regeln des Argumentierens kennen und ihre Wertungen
(Zustimmung bzw. Kritik) argumentativ darlegen können.
Bewerten
Die Studierenden sollten in der Lage sein, Wertbehauptungen zu prüfen
und sich begründet anzuschließen bzw. zu distanzieren.
Entscheiden
Die Studierenden sollten in der Lage sein, das Beobachten, Beurteilen
und Diskutieren abzubrechen und zu entscheiden.
Folgen abschätzen
Die Studierenden sollten in der Lage sein, die Folgen ihres beruflichen
Handelns in der natürlichen und sozialen Umwelt soweit wie
möglich abzuschätzen.
Freiheiten erkennen
Die Studierenden sollten in der Lage sein, in Ihrem beruflichen Handeln Freiräume
zu erkennen bzw. zu schaffen und zu gestalten.
Geschichtsbewusstsein
Die Studierenden sollten ein Bewusstsein von der Entstehungsgeschichte
gegenwärtiger Problemstellungen haben.
Gesellschaftskenntnis
Die Studierenden sollten die Grundstrukturen der modernen Gesellschaft und die Funktionsweisen
der berufsrelevanten sozialen Systeme kennen.
Institutionenkenntnis
Die Studierenden sollten die für die jeweiligen Problembereiche existierenden
Institutionen kennen und nutzen können.
Interdisziplinarität
Die Studierenden sollten in der Lage sein, mit angrenzenden wissenschaftlichen Disziplinen
kommunizieren und kooperieren zu können.
Kommunizieren
Die Studierenden sollten in der Lage sein, sich mit gesellschaftlichen
Gruppen zu verständigen, die von den Folgen des beruflichen
Handelns betroffen sind.
Methoden beherrschen
Die Studierenden sollten die Methoden der Ethik und Technikfolgenabschätzung
kennen und in der Lage sein, sie in ihrem Berufsfeld anzuwenden.
Moderieren
Die Studierenden sollten in der Lage sein, Interessenkonflikte zu erkennen,
zu moderieren und zu deren Lösung bzw. zu einem Konsens oder
Kompromiss beitragen können.
Nachhaltigkeit verstehen
Die Studierenden sollten Grundgedanken nachhaltiger Entwicklung verstanden
haben und Nachhaltigkeitspotentiale ihrer Fachausbildung und ihres
Berufsfeldes erkennen können.
Rezipieren
Die Studierenden sollten fähig sein, nach dem Abschluss ihres Studiums
Ergebnisse der einschlägigen Diskussion zur Kenntnis zu nehmen.
Soziales Umfeld kennen
Die Studierenden sollten sozialen Erfahrungen im Umfeld ihrer zukünftigen
Berufsausübung (insbesondere Praxissemester) gemacht, reflektiert
und artikuliert haben.
Urteilen
Die Studierenden sollten die Fähigkeit erwerben, Probleme des privaten, beruflichen
und gesellschaftlichen Lebens unter ethischen Gesichtspunkten beurteilen
zu können.
Fazit: Von der Wahrnehmung zur Handlung
Wenn ein Absolvent als Einzelner seinen Beitrag zu einer nachhaltigen
Entwicklung leisten will, muss er Fähigkeiten in fünf
Bereichen in sich ausbilden: 1.
Wahrnehmung: beobachten, sensibilisieren 2.
Beurteilung: (be)werten, reflektieren, einordnen 3.
Kommunikation: erörtern, argumentieren, begründen 4.
Entscheidung: schlussfolgern, vermitteln, abbrechen 5.
Handlung: veranlassen, unterlassen und 6.
Kontrolle: Wiederholung der Schrittfolge 1–5
Priorität und Umfang der jeweiligen Kompetenzen werden in Abhängigkeit
der verschiedenen Studiengänge und Berufsfelder jeweils verschieden
bestimmt.
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